Mittwoch, 3. Mai 2017

[Rezension aus dem Archiv] Still von Zoran Drvenkar

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Heyne-Ausgabe
Titel: Still
Autor: Zoran Drvenkar
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 01.09.2014
Seiten: 416
Verlag: Eder & Bach
Format: Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3945386002
Originalpreis: 16,95€

Kurzbeschreibung: 
Wenn die Seen schweigen, kommt der stille Tod. Ein Mann, der seine Tochter sucht und dabei seine Identität verliert. Ein Mädchen, das seit sechs Jahren reglos aus dem Fenster schaut und darauf wartet, dass ihr jemand den Schlüssel zu ihrer Erinnerung bringt. Vier Männer und eine Mission, die aus Hunger und Disziplin besteht und keine Opfer scheut. Ein Winter in Deutschland, ein See im Wald und Schatten, die sich unter dem Eis bewegen. 

Meinung: 
Ich hatte ja bereits das Vergnügen mit "Du" von Zoran Drvenkar und war bereits mit dem Buch mehr als zufrieden, obwohl es eigentlich so gar nicht das ist, was ich für gewöhnlich lese. Gute Erfahrung führt natürlich auch zu hoher Erwartung. Und die wurde definitiv erfüllt. Die Handlung hat mir hier noch viel besser gefallen und im ersten Teil des Buches ist man noch verunsichert, worum es überhaupt geht und was man da eigentlich liest. Drvenkar versteht sich sehr gut darauf, die Tatsachen zu verschleiern, und so entdeckt man wirklich nur Stück für Stück die Wahrheit und wird bis zum Schluss immer wieder schockiert und überrascht. Es fällt sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Besonders toll wurde die Atmosphäre umgesetzt. An manchen Stellen fror ich tatsächlich in der Winterlandschaft mit den Charakteren. Manchmal hatte ich einen Verdacht, in welche Richtung die ganze Geschichte laufen würde, aber letztendlich wurde ich dennoch überrascht. Das Ende ist ganz anders als erwartet, aber umso passender.

Ein weiterer großer Pluspunkt sind die Charaktere, denn diese sind liebevoll ausgearbeitet und haben genau die richtige Tiefe, um authentisch zu wirken. Besonders gut kommt das durch ihren Wahnsinn zur Geltung, denn der wirkt kein bisschen erzwungen. Die Charaktere handeln teilweise sehr unerwartet, aber dennoch immer genau richtig. Und der Protagonist der Geschichte hat mich immer wieder zum Nachdenken bewogen. Über seine Absichten grübelt man sehr lange und das macht gerade den Anfang des Romans sehr interessant. Zwar hat man immer eine gewisse Distanz zu allen Charakteren, aber das macht sie nicht weniger sympathisch oder gewollt unsympathisch.

Im Nachhinein bin ich immer noch nicht ganz sicher, was ich eigentlich von diesem Roman erwartet hatte, aber das, was mir da tatsächlich geliefert wurde, bestimmt nicht und ich bin wirklich begeistert. Drvenkar hat mich zum zweiten Mal felsenfest von sich überzeugt und es war ein wirkliches Vergnügen diesen Roman zu lesen. Voller Spannung, Nervenkitzel und Absurdität. Und nie zu sentimental oder brutal. Es hält sich perfekt die Waage. Das Thema mag nicht unbedingt für jedermann etwas sein, aber es ist sehr bewegend und möglicherweise regt es auch ein wenig zum Nachdenken an, ob so etwas nicht tatsächlich passieren könnte und warum Menschen sich so verhalten. Und genau dieser Punkt wird glücklicherweise nicht weggekehrt, sondern der Autor geht darauf ein. Die Bösen bleiben dabei zwar gänzlich wahnsinnig, aber man versteht ihre Beweggründe.

Es ist vielleicht nicht mein Lieblingsgenre und es wird auch nicht unbedingt mein literarisches Lieblingsthema behandelt, aber dennoch kann ich ganz klar sagen, dass dieses Buch sich definitiv unter meinen Lieblingsbüchern einreihen darf, denn selten schafft es ein Roman so zu überzeugen und zu hypnotisieren. Einfach nur genial!

Fazit: 
Das Buch ist nichts für sensible Menschen, das gebe ich zu, aber es ist definitiv lesenswert und ein richtig guter Thriller. Thrillerfans sollten dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.

Gesamt: 5/5

Inhalt: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Geschrieben am: 28.10.14

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