Mittwoch, 4. Oktober 2017

[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Sprecher: Jodie Ahlborn
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 08.05.2014
Hörzeit: 7 Stunden, 1 Minute
Verlag: Silberfisch
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8449-1127-5
Originalpreis: 20,95€

Kurzbeschreibung: 
Die 16-jährige Hazel hat Krebs. Aber sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie genau dort auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gemeinsam erfüllen sie Hazels großen Traum und fliegen nach Amsterdam. 

Meinung: 
Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Buch nicht viel versprochen. John Green hat sich als Autor wirklich gut gemausert und ein Buch nach dem anderen scheint ein Kassenschlager zu sein. Hinzu kommen noch die Verfilmungen seiner Bücher. Warum ich skeptisch war? Naja, Liebesgeschichten sind ja eh nicht so mein Fall und bei Krebsgeschichten kommt immer auch ein bisschen der Mitleidbonus zum Tragen. Ja, das ist ein Vorurteil, aber es ist berechtigt. Ein Buch zu verreißen, in dem es um Krebs geht, ist viel schwieriger als eines über glitzernde Vampire.

Da besteht allerdings gar kein Grund zur Sorge. Das Buch ist mitnichten perfekt, aber verströmt einen gewissen Sog. Im Mittelpunkt stehen Hazel und Augustus, die beide Krebs haben und sich einander annähern. Augustus ist für Hazel seit langem der erste Lichtblick und zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Izaac wird eine Geschichte rund um ihren Alltag gewoben. Dass dabei nicht alles alltäglich bleibt, ist klar. Etwas suspekt war mir die Tatsache, dass die Charaktere ständig mit Buchzitaten um sich werfen als hätten sie das ganze Buch auswendig gelernt – was nun wirklich nicht sonderlich realistisch ist. Dennoch gefiel mir gerade die Bücheraffinität der Charaktere, die im Roman ja auch einen wichtigen Stellenwert hat und zu dem ein oder anderen bedeutenden Ereignis führt. Auf jeden Fall fühlt sich die Geschichte von Hazel und Gus verdammt echt an. Vielleicht ein bisschen kitschig, aber trotzdem authentisch. Das Ende war insgesamt recht vorhersehbar, aber dennoch berührend.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der jungen Hazel erzählt. Krebskrank, aber dennoch tapfer. Sie weiß, dass sie sterben wird, aber dennoch geht sie mit ihrem Schicksal so gut um wie es ihr möglich ist. Und dabei verhält sie sich trotzdem wie eine Jugendliche. Augustus wiederum war mir erstmal suspekt, aber er ist so ein Charmebolzen, das man ihn trotzdem schnell ins Herz schließt, auch wenn er so seine Macken hat und manchmal etwas übertrieben kitschig war. Die beiden geben auf jeden Fall ein süßes Paar ab. Izaac als ihr Freund stört dabei kein bisschen und schafft es der Geschichte noch ein bisschen mehr Realismus zu verleihen. Auch die Eltern sind allesamt gut getroffen. Ein ganz besonderer Charakter in diesem Buch ist außerdem Peter van Houten, Autor von Hazels Lieblingsbuch „Ein herrschaftliches Leiden“. Diese Person hat so viele Gefühle in mir ausgelöst. Bei seinem ersten Auftritt musste ich das Hörbuch sogar kurz unterbrechen, weil ich sprachlos war.

Ich habe die ungekürzte Version mit Jodie Ahlborn als Sprecherin gehört, die ihre Arbeit sehr gut macht und allen auftretenden Figuren einen eigenen Charakter verleiht. Sie hat es auch geschafft Greens speziellen Humor einzufangen. Dieser zieht sich durch das ganze Buch und macht es zu einem besonderen Krebsbuch, weil es eben nicht nur finster und depressiv ist, sondern es auch viele Lichtpunkte gibt. Dabei steht vor allem auch jugendliche Sprache im Mittelpunkt, die aber nicht aufgesetzt wirkt. Schwierig finde ich allerdings die Tatsache, dass Green in seiner Danksagung offen zugibt, dass er die Krankheit nur fiktiv behandelt hat und sich nach Gutdünken selbst zurechtgebastelt hat. Das ändert nichts daran, dass der Roman dennoch tragisch ist, relativiert allerdings einiges. 

Insgesamt hat mich der Roman sehr positiv überrascht und tatsächlich begeistern können. An manchen Punkten verläuft die Handlung zwar etwas holprig und manchmal wirken die Abläufe etwas konstruiert, aber im Gesamtpaket ist es ein schöner Roman, auf den man sich einfach einlassen muss – und bedenken, dass er sich an Jugendliche richtet, die ja nicht so dazu neigen, jeden Satz bis ins kleinste Detail zu analysieren. Das Ende hat mich etwas irritiert, da es so abgehackt war, konnte aber dennoch überzeugen. „Krebsbücher sind doof“ trifft hier absolut nicht zu. Auch wenn man es sich vielleicht noch einmal überlegen sollte, das Buch zu lesen, wenn man selbst bereits mit dem Thema in Berührung kam, da es durchaus sehr an die Nerven gehen kann.

Fazit: 
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zeichnet sich durch seine gleichzeitige Leichtigkeit und Schwere aus. Die Figuren dringen tief zu einem durch und sind mehr als blasse Schemen. Die Thematik ist schwierig und in diesem Buch auch auf mehreren Ebenen kritisch zu betrachten, aber insgesamt wirklich gut umgesetzt – als Buch, das zum Nachdenken andenken soll.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 5/5

Gesamt:

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